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Los

An einem Morgen, der mittags begann, wieder ein Aufstehen, ein zähes. Hut ab vor denen, die zeitig schon rollenden Motors sich einreihen mußten.
Da erst, im Mittagsspalt, fügt sie sich ein.
Sonne sagt Eile an. Eile, die Füße ganz leicht macht.
Jetzt keine Kehrtwendung. Gleich an den Morgentisch. Blitzschnell auch leergefegt. Weiß jetzt auf weiß. Leuchtend weiß hebt sich das eine vom anderen ab und ein beständiges Hämmern legt Welt dar, wo Blick nur verriegelte Fenster zeigt.
Ein Wort, dann ein Hammerschlag, Hammerschlag ...Du dort! seit langem reißt sie ihr Fenster auf. Ja, du dort, bring mir dein Werkzeug rauf. Ich zahl’ dir auch anständig.
Sie wird ihm jetzt alles, von überall mitgebracht, wo sie nur mitnehmen, wo sie nicht bleiben hat können, zum Tausch anbieten.
Wohl und übel nimmt er ihr alles ab. Einen Hammer, den kriegst du auch überall, sagt sie ihm tröstend, spätestens nach deinem Mittagsspalt.
Jetzt, wo alles still ist, nur manche schon heimrollen, nur langsamer, leiser als morgens, hämmert sie sieben beschriebene Seiten auf. Dort, wo die Wand noch ganz weiß ist. Weiß jetzt auf Weiß, aber mehr schon. Und sie hämmert nicht leise. Genau sieben mal vier schwarze Nägel ein.
Später dann steht sie im Fenster, den Blick auf ihr Tagwerk - ein Strich, eine Linie, die abfällt und aufsteigt, wie Sonne, die wandert.
Jetzt keinen Endpunkt schlagen. Nur blickwärts den Fortgang wagen. Und offenes Fenster und Hammer mit sich nehmen.

in Wundräume. Texte 1993 - 2001, Resistenz 2001

Adam und Apfel


Die Großmutter hat den Verstand verloren.
Der Großvater sagt zu den Nachbarn: Die Frau hat sich das Bein gebrochen.
Die Großmutter liegt in einer Anstalt, in der sie festgeschnallt wird, weil sie begonnen hat, Anstalten zu machen.
Der Grovater sagt: stell dich nicht so an.
Die Großmutter liegt da und läßt sich gehen.
Der Großvater sagt: steh auf und geh spazieren. Spaziern und Öpfi essn!
Die Großmutter sagt: du bist a Depp. Geh ham.
Der Großvater dreht sich um (er ist noch nie von seiner Frau weggeschickt worden, nur weggewünscht, aber davon weiß er nichts?) und geht. Er stößt mit dem Kopf an das Bettgestell der Bettnachbarin der Großmutter, die in der Dunkelheit weint, weil sie keinen Mann mehr hat.
Die Großmutter erzählt mit leuchtenden Augen: Ich bin mit dem Hubschrauber am Dach oben gelandet und alle waren da und haben mich begrüßt, der ganze Staat war da und hat gesagt: grüß Gott, Frau P.! Hier drinnen spricht mich keiner mit Namen an. Die wissen doch, wer ich bin!
Der Großvater hat eine Platzwunde und muß nähen gehen.
Die Schwester sagt: Herr P., ihre Frau wird es bald besser haben. Sie wird bald bei Gott sein.
Der Großvater sagt: Mir wäre es lieber, sie wäre bei Verstand. Er will sie verbrennen lassen.Die Seele geht so oder so verloren, wenn der Körper kaputt ist.
Meine Frau muß spazieren gehen und Äpfel essen, sagen Sie ihr das doch!
Herr P., gehen Sie jetzt heim. Ihre Frau braucht Ruhe.
Wer die Äpfel verschmäht, verachtet die Schöpfung. Der Großvater verschmäht die Geschöpfe, aber er achtet die Äpfel. Die Menschheit soll endlich so kräftig und rein wie ein Apfel sein. Dann wird der Verstand an der Macht sein und der Großvater wird sich zurücklehnen und der Welt wie einem Apfelbaum beim Wachsen zusehen können.

in Wundräume. Texte 1993 - 2001, Resistenz 2001


die vier jahreszeiten


ihre freundinnen haben familie
ihre freundinnen haben depressionen
ich habe auch eine!
die vergeht.
aber sie kommt wieder!
dann ist ja alles bestens.
im frühjahr ist es am schlimmsten
die familie kommt auch eines tages
und eines tages vergeht sie
die familie vergeht niemals
die familie kommt immer wieder
die depression
du hast ja keine ahnung
sie will dem frühling gefallen alle meine Entchen (Melodie)
seinen duftigen röcken
seinen seidigen blicken
sie trägt einen luftrock (Akk. auf zu, atmen!)
sie ist schwer wie der schnee von gestern
sie atmet das glück in den pollen
und könnte nur tränen kotzen (zu, ruckartig mit Cluster)
wenn sie wenigstens frühjahrsputz
wenn sie wenigstens frühjahrsliebe
ja, sie wischt
ja, sie küsst
ich nehme jetzt johanniskraut!
gegen meine ist kein kraut gewachsen.
ich nehme nichts starkes!
ich werde meine dosis verdoppeln.
Ich krieg meine nicht mehr los
Kriegs los!
Akk:
vom krieg hat sie wenig mitgekriegt
sie haben genug abgekriegt
von der kuh
die kuh hat ein kalb gekriegt
die mutter hat ihre große liebe nicht gekriegt
die hat eine andere gekriegt
sie hat die depression gekriegt
und eine familie
du hast es gut hingekriegt
keine familie
und eine depression
die kommt und geht
wie es dir gefällt
spr:
freiberufliche freundin
kriegt angst
die depression kriegt system
das system kriegt familie
die familie fordert
aufstellen alle Cluster
mit systemstörung!
im sommer wird es besser
sei ein sonnenschein alle meine Entchen
ruf mutter doch mal wieder an!
vater will auch mal wieder.
ihre freunde haben freundinnen
und familie
und freundinnen-familie
und die depression hat sie
sie hat keinen freund
ich will auch einen!
der geht wieder.
aber dann kommt er wieder!
das macht es nicht besser.
im herbst wird es wieder schlimmer
ein krieg soll kommen
der krieg kommt früh genug
der krieg ist längst da
der krieg vergeht nicht
wie die familie
das system
die depressionsie will dem herbst nicht verfallen
seinen geschmückten häuptern
seinem fallenden fleisch
sie trägt ihren laubhut alle meine Entchen
und das sommerglück steckt ihr im hals
sie wühlt nach dem fleisch in der faulen erde
und möchte nur ihre kotze vergraben Cluster
wenn sie wenigsten herbstzeit
wenn sie wenigstens nicht mehr lose
ja, sie bindet
ja, sie windet
grenzen
sich
ich gehe jetzt ins netz!
ich möchte einen tag mal mit niemandem
ich werde jetzt mit jedem
ich rede nicht mehr mit meinem
Akk.
wenn du nicht bald was kriegst bist eine verfaulte alte
die beste freundin hat system gekriegt
die depression kriegt familie
sie hat schon genug abgekriegt von der einen familie
und jetzt kriegt sie noch eine
von der kuh hat das kalb wenig mitgekriegt
vom krieg hat sie genug gekriegt
große kriegsliebe
nicht mehr
los
gekriegt
wie willst du das hinkriegen
keine familie
kein system
keine depression
kein beruf
freiheit
die kommt und geht
wie es ihr gefälltwinter
die mutter ruft an
der vater
oder sonst wer
Akk.:
was hast du denn schon wieder
bist schon wieder zerkriegt
hast nicht endlich genug abgekriegt

wut
angst
wut
angst
wut
angst
wutangst
wut
nächstes jahr


vorzutragen als oberösterreichisches Gstanzl mit Akkordeon aus 2005